Huge und wie er die Welt sieht
Wie man Lieder wie dieses auf Partys spielen kann. Ich habe schon große Aversionen, wenn so gehaltvolle Bands wie Wir sind Helden oder Tomte zwischen Kuchen und Bier untergehen, aber das geht gar nicht mehr. Wie kann man denn was auch immer feiern und gleichzeitig Lieder über Bombenanschläge und verhungernde Menschen hören? Seid ihr denn total bescheuert? Wobei das meistens ja ohnehin nur stumpfe Beschallung ist, um Texte kümmern sich nur die wenigsten.
"Fail!" entfährt es da dem Sozialmedialisten.
Die Welt muss ein Irrenhaus gewesen sein vor 65-70 Jahren. Das Böse trug einen kleinen Bart, wollte die Welt erobern und brachte Millionen Juden um. Das sog. Gute war der Weltherrschaft auch nicht ganz abgeneigt, wenn auch auf andere Art, und griffen ebenfalls zu grausamen Methoden. Heute vor 65 Jahren warfen die USA eine Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima.
Man wollte damit die Kapitulation Japans beschleunigen und Tausenden von amerikanischen Soldaten das Leben retten, hieß es hinterher aus dem Weißen Haus. Aber wer den Bericht eines Überlebenden heute in der Süddeutschen Zeitung gelesen hat, der weiß, dass da etwas schiefgelaufen ist.
Hat der Mensch etwas daraus gelernt? Bei dieser Frage muss ich immer an ein Gedicht von Günter Kunert denken:
Als der Mensch
unter den Trümmern
seines
bombardierten Hauses
hervorgezogen wurde
schüttelte er sich
und sagte:
nie wieder
Jedenfalls nicht gleich
Das ist also das Wort dieses Sommers: Verantwortung. Wie steht es um die Verantwortung von Politikern, die mitten in ihrer Amtszeit zurücktreten? Wer ist verantwortlich für die immer grausameren Fälle von sinnloser (Jugend-)Gewalt? Wie verantwortlich geht der Staat mit seinem Geld und der Mensch mit seiner Erde um? Wann übernimmt endlich jemand die Verantwortung für die Katastrophe von Duisburg?
Verantwortung ist ein heißes Thema, nicht nur in diesem Sommer. Denn Verantwortung zu tragen heißt immer auch ein Risiko auf sich zu nehmen. Bei Jogi Löw hat das gut geklappt, er ist plötzlich wieder ein Volksheld, weil er die Verantwortung trägt für die tolle Leistung seiner Mannschaft. Die Verantwortlichen der Loveparade hingegen wurden am Tag nach der missratenen Party fast gelyncht statt gefeiert.
Bringt die Frage nach der Verantwortung denn etwas, wo doch alles geschehen ist und nichts rückgängig gemacht werden kann? Es geht nicht um Schuld, denn Verantwortung muss von vornherein geklärt werden. Erst dann nämlich kann es eine konstruktive Antwort geben, und zwar auf die Frage: Was treibt den Verantwortlichen an, wem fühlt er sich verantwortlich? Sich selbst? Seinem Image? Seinem Kontostand? Einem abstrakten Gebilde wie der Gesellschaft oder dem Staat? Einer Idee? Werten? Gott? Die Frage nach Verantwortung muss gestellt werden, bevor es zu spät ist.
„… Geräte abschalten?“ Sie nickte traurig. Küsste sein regloses Gesicht. „Ich liebe dich“ flüsterte sie. „Ich dich auch“ schrie er. Stumm.
Wie viele Romane haben wir nur deshalb nicht gelesen, weil die Spanne zwischen den Buchdeckeln mehr als 500 Seiten betrug? Wie oft haben wir in der Schule darüber geschmunzelt, dass die zu interpretierende Kurzgeschichte tatsächlich acht Seiten "kurz" war? Im Fast-Food-Zeitalter macht Tiny-Tales Schluss mit zeitraubenden Lektüren – und wem riesige Schmöker ein Gräuel sind, der wird Tiny-Tales lieben.
Alle großen TV-Sender übertrugen live, als aus dem fremden Raumschiff eine Gestalt heraustrat… Er hatte sich überhaupt nicht verändert.
In 140 Zeichen erschafft Florian Meimberg, der Kopf hinter Tiny-Tales, eigene Geschichten und Welten. In diesem Jahr gewann er dafür den Grimme Online Award. Aus- und Abschweifungen lässt der Kurznachrichtendienst Twitter, wo Meimberg seine Micro-Geschichten veröffentlicht, nicht zu. Deshalb ist das Prinzip meistens gleich: ein dramatisches Schlaglicht aus dem Leben, immer überraschend, oft mit aktuellem Bezug, im Vertrauen auf die Assoziationen, die den Rest erzählen sollen. Was davor war und danach kommt, das bleibt dem Leser überlassen.
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In diesem Internet, von dem jetzt alle reden, sind eine Menge Dinge möglich. Und wenn man sich erst klargemacht hat, dass bei all der Feedback- und Partizipations-Wut auf jeden konstruktiven Kommentar fünf sinnlose kommen und das Netz kein Allheilmittel für alle persönlichen oder gesellschaftlichen Probleme ist, dann wird man auch ganz gut damit zurechtkommen.
In einer kleinen Serie möchte ich in nächster Zeit und in loser Reihenfolge auf meinem Blog verschiedene Projekte im Internet vorstellen, die es wert sind, von vielen Leute gekannt, genutzt und gemocht zu werden. Es sind keine Geheimtipps, vieles wird einigen schon lange bekannt sein. Aber da ich davon ausgehe, dass dieses Blog auch viele Leser hat, die sonst eher nicht so viel in den Tiefen des Web 2.0 wühlen, soll dies auch für sie ein kleiner Entdeckungswegweiser sein. So sie denn entdecken möchten. Zu finden sind die gesammelten Werke immer in der Schublade "Fundstücke".
Los geht´s morgen mit einem Literaten der besonderen Art. Viel Spaß und natürlich ist hier und bei den vorgestellten Projekten Rückfutter immer erwünscht.
Wahrscheinlich ist es entscheidend, lang genug zu bleiben und früh genug zu gehen. Lang genug, um seine guten Seiten zu zeigen. Die sieht man in den ersten Stunden und Tagen normalerweise nicht. Früh genug gehen, bevor die schlechten kommen. Wenn dann so vorwurfsvoll konstatiert wird, dass der Mensch ein Schauspieler sei, dann sollte man fragen: Warum nicht? Und: Wer nicht?
Goethes Doktorarbeit war 56 Sätze bzw. sechs Seiten lang. Der Umfang meiner letzten Hausarbeit ist viermal größer.
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