Wahrscheinlich gibt es an keiner anderen Uni in Deutschland ein vergleichbares Wahlbereichs-Modell wie bei uns. Hier kommt der inoffizielle Leitfaden für Bachelor-Studierende.
Phase 1: Wir entdecken die Wahlbereichsbroschüre als Online- oder Holzmedium, informieren uns über die Möglichkeiten (was wird angeboten?) und Pflichten (wie viele LP muss ich erreichen?). Haben sich unter den Modulen die ersten Favoriten herauskristallisiert, werden diese auf Zugangsvoraussetzungen oder Zeitüberschneidungen überprüft.
Phase 2: Wir wählen im ominösen TOOL unsere Favoriten aus. Dafür hat man in der Regel einige Tage Zeit. Die vier Wünsche lassen sich nach Wichtigkeit ordnen. Die Zuteilung lässt sich nicht beeinflussen, sondern wird ausgelost. Oh Fortuna.
Phase 3: Wir warten.
Phase 4: Wir sitzen am angegebenen Tag seit 12 Uhr angespannt vor dem Rechner, eingeloggt ins TOOL und drücken alle drei Sekunden auf F5. Irgendwann erscheint hinter jedem Wunsch ein willkürliches „zugeteilt“ oder „nicht zugeteilt“.
Phase 5: Wir bestätigen die Module, die uns zugeteilt wurden – so uns denn dies Glück beschert worden. Die Bestätigung erfolgt mittlerweile in den meisten Fällen online im TOOL.
Falls wir genügend LP angehäuft haben, ist nun alles gut und das Semester kann beginnen. Falls nicht, zündet Phase 6: wir gehen in unser Institut und lassen uns das Wort „Härtefall“ auf die Stirn schreiben. Falls es regnen sollte, bekommen wir den Status auch auf einem entsprechenden Dokument bestätigt.
Phase 7: Wir gehen auf die sagenumwobene Restplatzbörse, nachdem wir uns im TOOL über freie Modulplätze informiert haben. Die Restplatzbörse ist der Ort des darwinschen Jedergegenjeden im Kampf um Modulplätze. Denn wo viele etwas wollen, was nur wenige bekommen, wird oft Gewalt zur Hilfe genommen. Wir stellen uns um neun vor einer Bürotür in eine lange Reihe, was je nach Leidensgenossen in Galgenhumor oder Wutanfälle mündet. Wer Glück und niedrige Hemmschwellen hat, bekommt doch noch den Platz, den er sich erhofft hat. Kniefälle vor Dozenten oder großzügige Gaben können hilfreich sein.
Allen Kommilitonen und vor allem mir auch in diesem Semester viel Glück.
“Suppa!”

