Nein, man hat es nicht leicht. Die Anzahl der Dachziegel, die dem Menschen auf´s Haupt fallen können, wächst ständig und auch im Internet heißt es Obacht geben: die einen wollen deine Daten, die anderen deine Seele. Im Vergleich dazu ist das Social Network Facebook noch geradezu harmlos und unspektaktulär, aber dennoch facettenreich und interessant. Lange habe ich mich gegen Facebook gewehrt, seit etwa zwei Monaten bin ich dort angemeldet und ziehe eine kleine Bilanz.
Wäre Facebook ein Land, es wäre das viertgrößte der Erde, Tendenz steigend. Das ist das Schöne: alle Welt ist auf Facebook und wenn man erstmal drin ist, kann man gar nicht verstehen, wie Leute nicht in dieses Land ziehen können. Statt Milch und Honig fließen bei Facebook Statusmeldungen und Kommentare. Ich gebe zu, Facebook hat mich positiv überrascht in seinen Möglichkeiten und seiner Fülle an – Achtung, Modewort! – Kommunikation.
Denn das ist der Sinn und das große Verdienst der Mutter aller Social Networks: nicht Farmville oder Fische füttern, sondern Kommunikation. Nirgends erreicht man so schnell so viele Leute, nirgends erhält man einen derartigen Überblick über die Aktivitäten seiner Kontakte, so es diese denn zulassen. Ein bisschen (krankhafte) Selbstdarstellung ist natürlich immer dabei. Aber mit Facebook kann ich bestimmen, was Leute von mir wissen und wenn ich etwas Tolles mache oder denke, was keiner sieht, dann schreibe ich es eben bei Facebook. Dir und fünf anderen gefällt das.
Genauso verstehe ich Statusmeldungen nicht als „Dünnschiss des Internets“ (Quelle vergessen), sondern als eine Art von Publikationsform. Ich weise auf Links hin, ich teile Gedanken mit, stelle Fragen in die virtuelle Runde – und siehe da: das Feedback ist da, schneller und umfangreicher als z.B. hier im Blog. Ein bisschen neidisch bin ich schon auf Leute wie Sascha Lobo, die quasi nichts anderes tun als den ganzen Tag nur diese Frage zu beantworten: „What´s on your mind?“
Ich behaupte mal: Internet ist für Freundschaften extrem wichtig. Auch wenn ich jemanden eine Woche lang nicht sehe oder auch drei Monate, kann ich kommentieren, an Pinnwände schreiben und Gefallen finden. Für manche wird das sehr armselig klingen, ich aber als Heavy-User des Web 2.0 und jemand, der ohnehin lieber/besser schreibt als redet, habe diese Art der Kommunikation als sehr gewinnbringend im sozialen Umfeld erlebt. Lange war Kommunikation sehr stark auf körperliche Präsenz angewesen, mittlerweile läuft sie fast zeit- und raumlos oder zumindest versetzt. Und ich streite es nicht ab, dass sich mein Leben zu einem großen Teil im Internet abspielt; dass ich Leute meine Freunde nenne, die ich noch nie in Fleisch und Blut gesehen habe. Man muss es nur wissen, außerdem heißt das auch nicht, dass ich daneben kein Leben hätte.
Etwas macht mir dann doch Angst: dass der Facebook-User so unheimlich gläsern ist. Jede seiner Aktionen erscheint auf befreundeten Timelines, jeder Gästebucheintrag. Nicht nur, weil ich die Menschen so gerne beobachte, wandelt mich ständig das Verlangen an, meinen Beziehungsstatus einmal zu ändern – einfach um die Reaktionen darauf zu sehen. Vielleicht mache ich das mal. Aber wahrscheinlich eher nicht. Kommunikation ist eine ernste Sache.
“Suppa!”

