Wer in Leipzig studieren will, braucht manchmal einen guten Abischnitt, in jedem Fall aber starke Nerven. Noch vor dem Beginn des Semesters schafft es die Uni, ihren Studenten jede Motivation zu rauben. Eine Erregung.
Lang waren die Semesterferien; so lang, dass sich nach den mühsamen und kraftraubenden Prüfungen am Ende des letzten Semesters wieder etwas wie Wissenshunger oder Lust auf Bildung einstellte. Doch nun, da sich die Gedankenwelt vornehmlich wieder auf drei Buchstaben (U-N-I) beschränkt, ist schon nach der ersten Woche alles wieder dahin. Für alle, die es vergessen hatte, bewies die Uni Leipzig in der vergangenen Woche wieder einmal, was für ein chaotischer Sauhaufen sie sein kann.
Die Wehklage über das verfehlte Wahlbereichs-System gehört ja mittlerweile unter Bacheloren schon zur Folklore. Wieder einmal blieben bei der Modulbewerbung zahlreiche Studenten auf der Strecke und wurden als "Härtefälle" diskriminiert. Das scheint mittlerweile so selbstverständlich geworden zu sein, dass es nicht einmal mehr nennenswerte Proteste dagegen gibt. Der Autor selbst hatte Glück und erreichte seine 30 LP/Semester, doch auch ihm blieben zwei Wunschmodule (Germanistik/Soziologie) verwehrt.
Der Tragödie zweiter Teil: den Modulverantwortlichen in Geschichte gelingt es nicht, klar zu kommunizieren, wie man sich für die Seminare einschreibt. Wer selbst nachfragt, wird mit einem Satz informiert – und zwar falsch. Dafür darf man sich dann in der ersten Sitzung anhören, warum man sich nicht eingeschrieben habe in einer Einschreibung, von der ich nichts wusste und vor allem die auch nicht öffentlich annonciert wurde.
Mehr oder weniger zeitgleich wird mir klar, dass sich in meinem Stundenplan eine fatale Fehlkonstruktion befindet: ein Seminar und eine Vorlesung überschneiden sich. Teilweise traf mich selbst die Schuld, doch ausgelöst wurde all das durch eine kurzfristige Änderung der Vorlesungszeit, die ich nicht mehr richtig realisiert hatte. Auf Mails, man möge mich doch bitte in ein anderes Seminar wechseln lassen, kommen vom Professor eine freundliche, aber vage, vom Einschreibeteam eine eher genervte Antwort. Noch sind wir nicht weiter. Schließlich hilft nur der Frontalangriff: sich bei der ersten Sitzung in ein anderes Seminar gesetzt, den Dozenten ein bisschen angebettelt – ja, es klappt. Immerhin etwas.
Am nächsten Tag das nächste Geschichtsseminar. Natürlich bin ich pünktlich da, setzte mich mit 40 Fremden in den Raum (erste Sitzung, ich kenne keinen) und merke plötzlich, dass hier irgendetwas falsch läuft. Nach investigativen Recherchen stellt sich heraus: der Huge sitzt in einem Masterseminar. Blick in die Wahlbereichsbroschüre, Raum stimmt. Also erstmal raus und suchen, bis auf einem Aushang die handschriftlich korrigierte Raumangabe vor meinen Augen erscheint. Dieses ist das vorläufige Ende der Odyssee durch das Historische Seminar im GWZ.
Der Höhepunkt, der eigentlich ein Fall für das absurde Theater wäre, folgt aber noch. Am Donnerstag (am Donnerstag, als alle Module vergeben sind und die Einschreibung endgültig vorbei ist!) findet sich auf der der KMW-Homepage der lapidare Hinweis, dass im Vorlesungsverzeichnis ein Fehler unterlaufen sei und die Vorlesung von Herr Prof.Dr. H. (Journalistik) an einem anderen Termin stattfinde. Dummerweise liegt genau auf diesem Termin eines meiner Seminare und ich bin nicht der einzige Modulteilnehmer, den dieses Problem plagt. Es ist ja nicht das erste Mal, dass die KMW ihre Realitätsfremde (vgl. 10.7./6.10.) beweist, doch damit hätten wohl selbst Sechstsemester nicht gerechnet.
Ein paar Minuten später verlässt ein Wutpamphlet an den FSR (der nichts dafür kann) meine E-Mail-Adresse, es enthält Worte wie "unverschämt", "verantwortungslos" und "Entsetzen". In der KMW-studiVZ-Gruppe machen auch andere ihrem Ärger Luft. Am nächsten Tag reagiert die Journalistik, die Vorlesung findet doch am eigentlichen Termin statt. Dafür sollen jetzt angeblich die Seminarzeiten geändert werden. Die Konfusion ist perfekt, keiner weiß mehr, was eigentlich Sache ist und wo er hingehört. Am Montag dann endlich endlich der Schlussakt: "die verbindlichen Einschreibeergebnisse liegen vor", mehr als eine Woche nach Ende der Einschreibung! Letzlich bleibt doch alles beim Alten, nur ein paar Nerven der armen Studenten haben im jungen Alter das Zeitliche gesegnet.
Fortsetzung folgt mit Sicherheit. Spätestens im nächsten Semester!
“Suppa!”

