Da mein kleiner TV-Tipp im Juli 2011 offenbar einigen Lesern zu unterhaltsamen Fernsehabenden verholfen hat, will ich es auch diesmal auf dem Blog ankündigen: die zweite Staffel der BBC-Krimiserie Sherlock startet am Donnerstag (17. Mai) im Ersten, in England lief sie bereits (mit Märchenquoten, muss man das erwähnen?) im Januar. Eigentlich gibt es nicht viel mehr zu sagen als vor dem Start der Premierenstaffel. Oder doch?
Auf jeden Fall steht die zweite Staffel kein bisschen hinter den brillanten Filmen der ersten zurück. Im Gegenteil: Nachdem sich die Autoren Moffatt und Gatiss jetzt nicht mehr mit Expositionen aufhalten müssen, nutzen sie das, um die Charaktere Holmes und Watson behutsam weiterzuentwickeln – ohne aus ihren Krimis eine Personality-Story zu machen.
Im Vordergrund steht dabei natürlich – wenig überraschend – Holmes. In jeder Folge offenbart er völlig neue, überraschende Züge: in
A Scandal in Belgravia ist er nicht mehr wie in der ersten Staffel („I can make you two bedrooms – if you need two“) verkappt homosexuell, sondern identifiziert eine Frau plötzlich, wie es Molly ausdrückt, „from not her face“. In
The Hounds of Baskerville gibt der einmal mehr überragende Benedict Cumberbatch, der seinen ersten Mordfall noch mit den Worten „The game is on“ und einem Luftsprung feierte, den verschreckten, ängstlichen Ermittler, während er in
The Reichenbach Fall einen – im wahrsten Sinne des Wortes – tiefen Absturz erlebt.
Aber nicht nur deshalb ist jede Minute Sherlock , auch wenn die Serie nun offenbar endgültig Mainstream ist, ein Genuss. Wer sein ganzes Leben mit deutschem Fernsehen, mit Wetten, dass …, Tatort und den Rosenheim Cops verbracht hat, wird etwas wie diese Fernsehserie kaum für möglich gehalten haben. Hier wagen Schauspieler, Autoren und Regisseure Experimente, wie sie in Deutschland nie gemacht wurden und werden – sei es die moderne Verfilmung des Stoffes, die teils ungewöhnlichen visuellen Mittel oder der Mut, dem Zuschauer auch eine gewisse eigene Transferleistung zuzutrauen.
Und wem das alles egal ist, der sollte sich einfach auf die Szene in der ersten Folge freuen, in welcher der Mann mit dem „We-both-know-what's-going-on-here-face“ nackend im Buckingham-Palace steht. Allein dafür lohnt es sich.
17. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste: Ein Skandal in Belgravia
27. Mai, 21. 45 Uhr, Das Erste: Die Hunde von Baskerville
28. Mai, 21. 45 Uhr, Das Erste: Der Reichenbachfall
PS: Wer noch mehr außergewöhnliches (deutsches) Fernsehen sehen will, kann am 17. Mai gleich dranbleiben: ab 21.45 Uhr darf dann der Tatortreiniger zum ersten Mal auf der großen Bühne Blut wegputzen.
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